Die Geschichte des Fechtens

Fechten gehört neben Boxen und Ringen zu den ersten Wettbewerben in denen sich die Menschheit sportlich gemessen hat. Eine Art sportlichen Fechtens betrieb man schon in der Antike. Ursprünglich war das Fechten ein bewaffneter Kampf zweier Personen, bei dem Blankwaffen mit langer Klinge sowie Handschutz verwendet wurden. Diese wurden so geführt, dass Angriffe des Gegners abgefangen werden konnten. Mit der Entwicklung effizienter Handfeuerwaffen verloren Blankwaffen ab dem 17. Jahrhundert weitgehend ihre militärische Bedeutung. Das Schwert wurde nur noch gegen zivile Kontrahenten, in Duellen oder zur Selbstverteidigung gegen leicht gepanzerte Gegner verwendet.

Die europäische Duellkultur geht zurück auf das Spätmittelalter, als das Bürgertum seinen ersten Aufschwung erlebte. Da zu dieser Zeit sowohl das Tragen einer Waffe als Recht und Pflicht des Ehrenhandels (Duell)  und Privileg des freien (adeligen) Mannes waren, strebten die freien Bürger nach diesen Rechten, um sich gegenüber dem Adel zu emanzipieren. So entstanden die ersten Fechterbünde, wie z. B. die „Veitsfechter“ zu Prag, die ihre Bundeskonvente im Veitsdom in Prag feierten. Das Wort „Veiterfechter“ formte sich übrigens zum Begriff „Federfechter“ um, der in späterer Zeit als Hinweis auf die Leichtigkeit der modernen Fechtwaffen missverstanden wurde.

Gleichzeitig verloren im soldatischen Bereich wegen der Verbreitung und einfacheren Handhabung der Feuerwaffen viele militärische Fechtlehrer Sold und Brot und suchten sich neue Betätigungsfelder als Lehrer bürgerlicher Fechter, jedoch auch als Lohnfechter in Ehrenhändeln. Dabei zogen sie durch die Städte, klopften an die Portale gutbürgerlicher Häuser und Palais und fragten an, ob ein Fechtmeister gebraucht werde: „sie gingen fechten“, um sich ernähren zu können. Auch dieser Ausdruck wird heute noch verwendet, jedoch für direkte Haustürenbettelei. Auch gab es seit dem Mittelalter Versuche, sowohl von der Kirche als auch vom Gesetzgeber, Duelle zu verhindern oder unter Strafe zu stellen. Das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 verbot jegliche Art von Zweikampf mit tödlichen Waffen. Trotzdem blieb der gesellschaftliche Zwang zum Ehrenhandel bis nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet, allerdings wurden Duelle außerhalb der Studentenschaft und der Kavallerie (Säbel) seit dem späten 18. Jahrhundert meist mit Faustfeuerwaffen statt mit Blankwaffen ausgefochten.

Um 1570 prägte der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechtausdrücke, die auch heute noch verwendet werden.

Die Waffengattungen

Den Florettgriff gibt es in drei verschiedene Arten:

Pistolengriff“ auch „belgischer“ oder „orthopädischer“ Griff (orthopädisch, handangepasst)

„französisch“ (ein leicht nach innen gebogener Stab)

„italienisch“ (ein gerader Stab mit Parier Stange, Quart- und Terzbügel)

Meist wird heutzutage mit einem belgischen, seltener mit einem französischen Griff gefochten. Der italienische Griff ist im heutigen Fechten fast nicht mehr zu finden.

 

Für den Griff eines Degens gibt es folgende zwei verschiedene Arten:

„Pistolengriff“ auch „belgischer“ oder „orthopädischer“ Griff (orthopädisch, handangepasst)

„französisch“ (ein langer glatter Stab)

Die Fechtstellung

Die Fechtstellung ist Ausgangsposition für Bewegungen auf der Fechtbahn, Stellung der Füße, Lage des Körperschwerpunktes sowie Drehung der Schulter und des Beckens. Dabei stehen die Füße zueinander in rechtem Winkel, wobei sich die Fußspitzen in etwa unterhalb der Knie befinden sollten und der Abstand zwischen den Fersen 1,5-2 Fußlängen beträgt. Der Oberarm auf der Waffenseite ist leicht vom Körper abgewinkelt, während der Unterarm parallel zum Boden steht. Die Knie sind etwas gebeugt, im Florettfechten etwas tiefer als in den anderen Waffen. Den Abstand zum gegnerischen Fechter bezeichnet man als Mensur.

Aktionen

Beinaktionen

Ausfall (Annäherung an den Gegner, durch Vorsetzen des vorderen Beines bei Streckung des hinteren Beines

Ballestra (Sprung mit folgendem Ausfall)

Flèche (französisch: „Pfeil“, „Geschoss“) – Sturzangriff, bei dem das hintere Bein mit Schwung nach vorne gebracht wird und der Angreifer auf den Gegner zu rennt/fliegt. (im Säbel nicht zugelassen)

Kreuzschritt vorwärts und rückwärts (im Säbel nicht zugelassen)

Patinando (Schritt vorwärts mit folgendem Ausfall)

Radoppio (Ausfall mit darauffolgendem heranziehen des hinteren Beines zum erneuten Ausfall zur Verlängerung des Angriffs)

Klingenaktionen

Arretstoß (Zwischenstoß in einen gegnerischen Angriff hinein)

Battuta (Klingenschlag, wodurch diese aus ihrer bedrohenden Richtung entfernt werden oder die durch den Gegner dargebotene Blöße (freie Trefffläche) vergrößert werden soll oder auch eine Reflexbewegung des Gegners beabsichtigt wird)

Bindung (Fixieren der gegnerischen Klinge durch die eigene)

Cavation (kreisförmige Umgehung der gegnerischen Klinge)

Coupé (plötzliches Zurückziehen der eigenen Klinge in die Vertikale und fallender Stoß in einer zum Gegner deutlich geringeren Mensur)

Filo (Angriff entlang der gegnerischen Klinge, diese gleichzeitig bindend)

Finte (Scheinangriff, um den Gegner zu einer übereilten falschen Parade zu bewegen)

Konterparade mit Konterriposte (eine Riposte wird pariert, und es folgt wiederum ein Gegenstoß)

Ligade (Streichfinte)

Parade mit Riposte (Verteidigung mit unmittelbar folgendem Gegenstoß)

Sforza (Schleuderfilo, katapultiert die Klinge aus der Hand des Gegners) (heutzutage nicht mehr gestattet)

Sperrstoß (Angriffstoß bei gleichzeitiger Bindung der gegnerischen Klinge)

Transportbindung (Bindung der gegnerischen Klinge, Transportbewegung in eine andere Position, um aus dieser effektiver stoßen zu können)

Bingo (schnelle Bewegung in Richtung Trefferfläche des Gegners. Über dem Ziel wird vor der Berührung abrupt abgestoppt, wodurch die Klinge nachschwingt und sich biegt, sodass schwer zu erreichende Ziele (zum Beispiel das Handgelenk hinter der Glocke oder der Rücken) zu treffen sind.)

Angriffsrecht

Bei Florett und Säbel gilt das Angriffsrecht (Konvention). Das bedeutet, dass derjenige den Treffer zugezählt erhält, der den Angriff begonnen hat (Initiative). Bei Unterbrechung/Parade des Angriffs wechselt das Angriffsrecht. Im Degen gilt keine Konvention, es werden sogar Doppeltreffer (gegenseitige Treffer) gewertet.

Die Regelverstöße und Bestrafungen

Beim Fechten gibt es drei Sanktionsmaßnahmen, welche vom Obmann gegen einen Fechter mittels farbiger Signalkarten ausgesprochen werden kann, wenn dieser gegen eine Regel verstoßen hat.

Die Verwarnung: Eine Verwarnung ist während des Gefechtes gültig. Eine Verwarnung wird vom Obmann durch Zeigen der Gelben Karte ausgesprochen.

Der Straftreffer: Beim Straftreffer bekommt der Gegner einen Trefferpunkt. Ein Straftreffer wird vom Obmann durch Zeigen der Roten Karte ausgesprochen.

Die Disqualifikation: Die Disqualifikation ist beim Fechten die höchste Bestrafung, da der schuldige Fechter aus dem Wettkampf und dem Turnier ausgeschlossen wird und eine Sperre von mindestens zwei Monaten in der laufenden oder darauffolgenden Saison erhält. Eine Disqualifikation wird vom Obmann durch Zeigen der Schwarzen Karte ausgesprochen.

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