Es scheint, als würden wir ständig an uns arbeiten und viele Bereiche unseres Lebens optimieren. So viele Menschen wie noch nie gehen ins Fitnessstudio, kaum wird es warm, schnüren alle die Laufschuhe. Und auch Dinge wie der Schlaf und die Ernährung sind Bereiche des Lebens, zu denen es jede Menge Verbesserungstipps gibt. Auf eines vergessen wir aber zunehmen: die geistige Fitness. Dabei ist es aktuell sie, die besonders bedroht ist.
Wie viele Kurzvideos pro Tag auf Social Media hochgeladen werden, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen. Die meisten Plattformen halten sich diesbezüglich eher bedeckt. Was man aber weiß: Allein auf YouTube landen pro Minute über 500 Stunden Videomaterial. Der Konsum von Bewegtbildmaterial steigt ebenfalls beständig. In Österreich werden pro Tag über die Bevölkerung hinweg rund 3 Stunden und 45 Minuten mit dem Schauen von Bewegtbildmaterial; TV und Streaming eingerechnet. Während die beiden Letztgenannten nicht das Problem sind, gibt es verstärkt Hinweise darauf, wie stark negativ sich Kurzvideos auf TikTok, Instagram und Co. auswirken.
Laut Studien und Meinung von Fachpersonal beeinträchtigt exzessives Schauen die Gehirnleistung: Weil sich das Gehirn an die unterschiedlichen Inhalte gewöhnt, “lernt” es eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Die Konzentration auf Aufgaben, die mehr Zeit erfordern, fällt schwerer. Dadurch sinkt außerdem das Arbeitsgedächtnis. Schon wenige Sekunden nach einem Video haben wir vergessen, worum es im vorherigen überhaupt ging. Komplexes Denken und Problemlösen fallen bei hohem Kurzvideokonsum schwerer. Die geistige Fitness nimmt ab. Die Forschenden bezeichnen diesen Umstand als “Brain Rot”, also “Gehirnfäule”.
Wer gern und viel Kurzvideos konsumiert, muss sich jetzt aber nicht schlecht fühlen. Denn die Plattformen nutzen sehr perfide Tricks, um uns bei der Stange zu halten und immer weiter scrollen zu lassen. Schließlich bringt jede Minute bares Geld! Sie machen sich die Art und Weise zunutze, wie das Gehirn funktioniert. Ein wesentlicher Punkt ist Dopamin. Der Botenstoff, den man gemeinhin als “Glückshormon” kennt, ist eigentlich etwas, das Motivation, Belohnung und Vorfreude erzeugt. Es wird nicht nur bei der Zielerreichung, sondern auch kurz vorher ausgeschüttet. Weil jedes neue Video etwas Neues verspricht, schüttet der Swipe Dopamin aus. Das Gehirn mag Dopamin und verlangt nach immer mehr.
“Einfach so” aufzuhören schaffen wohl die wenigsten Menschen. Es kann aber schon ein erster Schritt sein, sich bewusst zu sein, was der Kurzvideokonsum mit uns macht. Der moderne Gentleman hält sein Gehirn so gesund wie den Rest des Körpers und kann viel gegen drohenden “Brain Rot” machen.
Betrachten Sie Kurzvideos als eine Art Belohnung, die Sie sich dann gönnen, wenn Sie etwas erledigt haben, oder verwenden Sie diese als Anleitungen, um etwas Neues zu lernen. Zum Beispiel, wie man den perfekten Windsor Knoten zaubert. Oder welche Anzug-Neuigkeiten bei Sturm am Parkring eingetroffen sind.
Es scheint, als würden wir ständig an uns arbeiten und…
Wenn der Frühling die Welt wieder mit Farbe überzieht, wird…
Mittlerweile gibt es ja gefühlt für alles und jeden einen…