Die Zigarette

Die Zigarette war ursprünglich nichts als ein Abfallprodukt. Tabakreste, die bei der Zigarrenproduktion abfielen, wurden in Papier eingerollt und geraucht.

Dies geschah vermutlich zuerst in Spanien, wo schon 1784 in Sevilla die erste Zigarettenfabrik gegründet wurde. Von Spanien aus gelangte diese Vorform der heutigen Zigarette nach Portugal und Frankreich und schließlich bis nach Russland und die Türkei. Doch erst nachdem französische, englische und türkische Soldaten im Krim-Krieg 1853 bis 1856 gemeinsam gegen die Russen zu Felde gezogen waren, konnte der Siegeszug der Zigarette beginnen. Was die Soldaten bei ihren russischen Gegnern beobachtet und dann selbst probiert hatten, wollten sie auch zu Hause nicht mehr missen.

So begannen Londoner und Pariser Kaufleute, Zigaretten aus St. Petersburg, Moskau und Konstantinopel zu importieren. Die waren damals freilich noch echte Luxusartikel, da sie in Handarbeit hergestellt wurden. Pro Stunde entstanden nur 120 bis 150 Stück.

Erst die Erfindung der Zigarettenmaschine ermöglichte die massenhafte Verbreitung der Zigarette. Die Maschine, die 1867 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellt wurde, schaffte immerhin schon 3600 Stück in der Stunde. Dies war damals ein ungeheurer Fortschritt, im Vergleich zu heutigen Maschinen ist dieser Oldtimer allerdings eher langsam. Moderne Zigarettenmaschinen produzieren zwischen 8.000 und 10.000 Stück in der Minute.

Die Geschichte vieler Zigarettenmarken hat in der Frühzeit der Zigarette begonnen. Wir wollen hier nur drei Beispiele herausgreifen.

1847 gründete Philip Morris in der Londoner Bond Street ein Geschäft für den Import und Verkauf von Zigaretten und legte damit den Grundstein für ein Weltunternehmen.

1890 eröffnete der in der Ukraine geborene Louis Rothmans sein erstes Zigarettengeschäft in der Londoner Fleet Street Nr.55a, ohne zu ahnen, dass eine Zigarette seines Namens heute eine der renommiertesten Marken überhaupt sein würde. Als drittes Beispiel sei José Joaquin Carreras genannt, der Sohn eines Londoner Exil-Spaniers, der 1852 am Leicester Square Geschäftsräume bezog und sich schnell einen Namen als <<tobacco blender>> machte. Die Spezialmischung des Earl of Craven wurde später eine berühmte Zigarettenmarke, die Craven A. Allein diese drei Herren standen Pate für zahlreiche Tabakkreationen, deren Name Musik in den Ohren von passionierten Rauchern sind: Marlboro, Rothmans King Size, Pall Mall. Selbst Nichtraucher können sich nur schwer dem besonderen Reiz entziehen, der von solchen traditionsreichen Marken ausgeht. Vielleicht liegt es daran, dass Zigarettenpackungen oftmals Meisterwerke der Grafik sind, kleine bunte Schachteln, die zum Anfassen reizen und zum Kauf verlocken. Darüber hinaus ist es sicher auch der Klang dieser Namen, der je nach Marke Abenteuer, Weltläufigkeit oder Eleganz mitschwingen lässt. Die persönliche Präferenz für eine bestimmte Zigarettenmarke hat tatsächlich sehr viel mit diesen Markennamen zu tun, die so etwas sind wie Synonyme für einen bestimmten Lebensstil.

Rothmans verheißt klassische englische Eleganz, Gauloises verspricht einen derben Genuss nach Art einer bäuerlichen französischen Pastete oder eines einfachen aber guten Landweins. Lucky Strike, Camel und Marlboro lassen uns an Amerika denken, an ein Amerika freilich, das so nur in den Phantasien der Europäer existiert, ein Land der Cowboys, Straßenkreuzer und des Rock`n`Roll. Nicht zuletzt diese Assoziationen haben Marlboro zu der erfolgreichsten Zigarette der Welt gemacht, obwohl Marlboro eigentlich ein durch und durch englischer Name ist, wie die ursprüngliche Schreibweise der Marke beweist. Bei Philip Morris in der Bond Street hieß sie 1885 noch Marlborough, erst 1924 wurde Schreibweise amerikanisiert.

Neben dem Namen entscheidet die Art des Tabaks über die Vorliebe für eine bestimmte Marke. Die Anhänger der Zigarette lassen sich danach in Freunde des schwarzen oder des hellen Tabaks einteilen. Schwarz sind Marken wie Gauloises Caporal, Gitanes, Ducados oder Bastos. Hell oder auch blond sind alle anderen Marken, wie zum Beispiel Camel, Lucky Strike oder Chesterfield.

Einzige Ausnahme sind die Orientzigaretten, die eine eigene Geschmacksrichtung darstellen. Ihre Popularität hat stark nachgelassen, obwohl sie bis zum zweiten Weltkrieg überaus beliebt waren. Eine der besten Orientmarken ist die Finas aus dem Hause Kyriazi. Schwarz oder hell, dies ist für Raucher eine ähnlich grundsätzliche Frage wie für Autofahrer die Entscheidung Diesel oder Benzin. Freunde der schwarzen Zigaretten finden helle Marken fade und schlapp, umgekehrt können Raucher blonder Tabake den Geruch der schwarzen Gauloises oder Ducados nur schwer ertragen.

Ähnlich grundsätzlich unterscheiden sich die Meinungen über die Filterzigarette oder die Leicht-Zigarette. Der eigene Geschmack sollte hier der alleinige Leitfaden sein. Anfänger sollten einfach beides ausprobieren, vor Experimenten mit filterlosen Zigaretten seien Sie jedoch zunächst gewarnt. Den Geschmack des schwarzen Tabaks kann man sehr gut bei der Gauloises Caporal filtre kennenlernen oder bei der spanischen Ducados. Erst später und mit Vorsicht darf auch der pure Genuss probiert werden. Der kann dann aber tatsächlich größer sein als der bei einer Filterzigarette, aber das ist, wie gesagt, Geschmacksache.

©Bernhard Roetzel, Der Gentleman

STURM - Herrenausstatter am Parkring

Anzüge & Accessoires

Gesamtes Sortiment