Die Visitenkarte des Gentleman

Eines sollte klar sein: Ein Mann wird nicht durch Kleidung zum Gentleman und umgekehrt bleibt ein echter Gentleman immer ein Gentleman, auch ohne Kleidung.

Daraus aber abzuleiten, dass unsere äußere Erscheinung nicht wichtig sei, wäre ein Fehler. Kleidung ist die Visitenkarte unserer Persönlichkeit. Also sollte sie auch einer Persönlichkeit entsprechen.

Wer sich ein paar Kleinigkeiten zu Herzen nimmt, kann in London, Paris, Brüssel, Rom, Mailand, New York, Moskau oder Tokio sicher sein, als gut angezogen zu gelten.

Der Stil des Gentleman ist ein Nebeneinander von Maßarbeit und Massenprodukten, von Exklusivität und nüchterner Zweckmäßigkeit. Eine Jeans zur Tweedjacke vom Maßschneider ist eine ebenso akzeptierte Wochenendkleidung wie die günstigen Sneakers zur Chino und einem Cashmere Blazer.

Der Stil des Gentleman ist also nicht gleichbedeutend mit sturem Konservatismus. Neuerungen, die sich bewähren und gut aussehen, finden nach und nach Aufnahme in den internationalen Stilkanon von London, Mailand und New York. Zum Beispiel die Jeans.

Obwohl es einige Zeit gedauert hat, konnte die blaue Baumwollhose sich durchsetzen und ist heute – fast überall – ein gewohnter und akzeptierter Bestandteil der Freizeitkleidung. Oder die Husky-Jacke, die Anfang der sechziger Jahre erfunden, aber erst in den achtziger Jahren weltweit bekannt wurde, oder die Tod`s von Diego Della Valle, die es immerhin seit 1979 gibt.

Kleidungsstücke und Accessoires unterschiedlichster Herkunft zu einem harmonischen und interessanten Ganzen zusammenzufügen, erfordert Wissen um die Geschichte der Einzelelemente. Natürlich kann dieses Wissen auch dazu führen, dass ganz bewusst eine neue und ungewöhnliche Kombination entsteht, die gelegentlich auch das Produkt von Intuition und Zufall sein mag. Doch wer sich darauf nicht verlassen möchte, sollte durch die Kenntnis der einzelnen Bestanderteile der Garderobe des Gentleman den sicheren Umgang damit erlernen.

Es wird in diesem Zusammenhang viel von England gesprochen. Denn London übernahm schon im 18. Jahrhundert die Führung im Stilgeschehen Europas (Englische Stil/Anzüge), zumal von der britischen Insel immer wieder wichtige Neuerungen ausgingen. Während der französische Adel am Hofe des Königs lebte, verbrachten die englischen Standesgenossen viel Zeit auf ihren Landsitzen. Der bevorzugte Zeitvertreib war die Fuchsjagd, und die beförderte einen ganz neuen Kleidungsstil. Der knielange Rock behinderte beim Reiten, und so wurde er mehr und mehr zurückgeschnitten. Entsprechend verkürzte sich die Weste, die Hose wurde enger. Dieser neue Look wurde in ganz Europa übernommen, der englische „frock coat“ geriet in Frankreich zum „fraque“ und in Deutschland zum „Frack“.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollte man dem im 18.Jahrhundert geborenen Anzug aus Frack, Weste und Hose die Farbe endgültig ausgetrieben haben. Angesichts verschmutzter Straßen und durch unzählige Kohlenfeuer verrußter Luft in den Städten ein durchaus praktischer Trend. Nur auf dem Land setzte man einen Kontrast zum Grau und Schwarz der Stadt. Die Farben der Natur, die der Adel auf seinen Landsitzen erlebte, fanden sich in der Jagd- und Reitkleidung wieder. Um die bequemen Reitjacken auch in der City anziehen zu können, kamen unbekannte Trendsetter auf die Idee, sie aus dunklen Stoffen schneidern zu lassen. Letzten Endes haben wir den Schnitt des heutigen Anzugs mit seiner kurzen Jacke dieser Entwicklung zu verdanken. Wer also heute einen dunklen Anzug als steif und förmlich empfindet, mag sich damit trösten, dass er in gewissem Sinne die dunkle Ausgabe eines Freizeit-Outfits trägt.

Doch auch dies lernen wir: Sich wie ein Gentleman zu kleiden kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die Investition in ein gutes Stück zieht im Allgemeinen weitere Ausgaben nach sich. Wer das erste Paar richtige Schuhe trägt, wird automatisch auch den Rest seiner Kleidung einer kritischen Überprüfung unterziehen. Und schon entsteht zwangsläufig das Bedürfnis nach einem guten Anzug, der wiederum gute Hemden und Krawatten erfordert.

Meist dauert dieser Prozess Jahre einige Jahre an – und das ist auch gut so. Eine Garderobe muss wachsen. Dies ist ein höchst individueller Vorgang, der bei jedem zu einer ganz eigenen Ausrichtung führen kann und soll.

Denn wie gesagt: Kleidung ist die Visitenkarte unserer Persönlichkeit.

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